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Quelle: Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV)

Abschluss des ACCORD-Projekts: LGV liefert Impulse auf EU-Ebene für die digitale Baugenehmigung

Der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV) beteiligte sich während der gesamten Projektlaufzeit aktiv am EU-finanzierten Horizon Europe Projekt ACCORD – und stärkte dabei die Rolle Deutschlands im europäischen Impuls zur Digitalisierung der Baugenehmigung. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut, der Tegel Projekt GmbH und Ontotext (Graphwise) arbeitete der LGV an einem durchgängigen Workflow für automatisierte, regelbasierte Prüfungen im Baugenehmigungsprozess. Eine Übersicht über das Projekt finden Sie in unseren früheren Newslettern (ACCORD-Projekt: Der LGV ist Teil des Impulses auf EU-Ebene für die digitale Baugenehmigung).

Ergebnisse des Projektes

Das ACCORD-Projekt fand seinen offiziellen Abschluss Ende August 2025. Im ACCORD Projekt wurden innovative Ansätze für automatisierte, BIM-basierte Genehmigungsprozesse entwickelt. Ziel war es, die rechtlichen, technischen und semantischen Grundlagen zu schaffen, um Bauanträge künftig vollständig digital und standardisiert prüfen zu können. Umfassende Informationen zu Ergebnissen des Projektes sind zudem auf der offiziellen Website des EU-Projekts ACCORD zu finden.

Der LGV hat an der Entwicklung eines funktionalen Prototyps im Rahmen des deutschen Demonstrators für den ACCORD-Anwendungsfall 1 mitgewirkt. Im Fokus stand ein Microservice, der für die Durchführung automatisierter planungsrechtlicher Prüfungen mithilfe von Linked-Data aus Bebauungsplänen (XPlanung) und geplanten Gebäudemodellen (BIM-Modellen) konzipiert wurde. Auch wenn kein produktives Tool veröffentlicht wurde, lieferte das Projekt erfolgreich die grundlegenden Erkenntnisse zu den technischen Anforderungen für die Verknüpfung von gesetzlichen Planungsdokumenten mit BIM-Modellen und zur Automatisierung dieser Prüfungen.

Berlin TXL – Das deutsche Demo-Projekt

Visualisierung der Umgestaltung des bestehenden Terminalgebäudes im Kernbereich des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel.
© chaixemorel Schüsslerplan VIZE und Tegel Projekt GmbH Abbildung 1: Visualisierung der Umgestaltung des bestehenden Terminalgebäudes im Kernbereich des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel.

Im Rahmen des ACCORD-Projekts diente Berlin TXL als deutsches Demonstrationsgebiet für digitale und regelbasierte Bauantragsprüfungen. Berlin TXL ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Deutschland und umfasst die Transformation des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel zu einem modernen Innovations- und Technologiestandort, einschließlich des Forschungs- und Innovationscampus Urban Tech Republic sowie des neuen Wohnquartiers Schumacher Quartier.

Für den deutschen Demonstrator wurden auf dem Gelände geplante Gebäudemodelle und planungsrechtliche Daten genutzt, um automatisierte Prüfverfahren auf Basis von BIM und XPlanung unter realen Bedingungen zu erproben. Die Tegel Projekt GmbH stellte hierfür BIM-Modelle und Planungsdaten aus dem Kernbereich des ehemaligen Terminalgebäudes bereit. Diese Datengrundlagen ermöglichten die prototypische Umsetzung regelbasierter Prüfabläufe und lieferten wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung digitaler Genehmigungsprozesse in Deutschland.

Prototyp: BIM-basierte digitale Prüfung planungsrechtlicher Vorgaben

Für die Demonstration des ACCORD-Anwendungsfalls 1 wurde das BIM-Modell des alten Terminalgebäudes B des Berlin TXL ausgewählt. Das Modell wurde aus Revit in das IFC4-Format exportiert. Für die regelbasierte Prüfung mussten BIM-Modelle des Gebäudes und Bebauungspläne in einer gemeinsamen, semantisch durchsuchbaren Struktur vorliegen. Linked Data wurde daher eingesetzt, um Gebäudemodell (IFC) und Bebauungsplan (XPlanGML) formal, semantisch und maschinenlesbar zu verknüpfen.

Da verfügbare IFC-zu-RDF-Konverter zum Projektzeitpunkt noch keinen stabilen und performanten Workflow ermöglichten, wurde CityGML als technisch sinnvoller Zwischenschritt eingesetzt. Langfristig soll Linked Data direkt aus BIM-Modellen erzeugt werden.

Beide Datensätze, CityGML und XPlanGML, wurden anschließend in RDF transformiert und als Tripel in der GraphDB von Graphwise gespeichert. Auf dieser Grundlage wurden SPARQL-Regeln implementiert, um automatisiert zu prüfen, ob das Gebäudemodell wichtige planungsrechtliche Vorgaben erfüllt, darunter:

  • Art und Maß der baulichen Nutzung
  • Zulässige Geschossflächenzahl
  • Immissions- und Denkmalschutz

Eine prototypische Weboberfläche visualisierte die Ergebnisse der Regelprüfungen und ermöglichte die nachvollziehbare Darstellung der zugrunde liegenden Regelwerke (Abbildung 2). Weitere Informationen zum ACCORD-Anwendungsfall 1 und zu den Ergebnissen sind in Hradil et al. (2025, Abschnitt 5.2) zu finden.

Die Weboberfläche des Prototyps
© ACCORD Projekt Abbildung 2: Die Weboberfläche des Prototyps, Stand: November 2025

Internationaler Austausch auf EU-Ebene

Der internationale Austausch auf EU-Ebene hat erneut gezeigt, wie wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Städten, Ländern und fachlichen Expertinnen ist. Die Vorstellung regelbasierter Prüfungen auf Basis von XPlanung und BIM-Modelle – unter anderem auf der Internationalen Digital Building Permit Conference in Barcelona, dem BDTIC-Workshop in Kaunas und dem ACCORD Final Seminar in Tallinn – wurde durchweg positiv aufgenommen. Automatisierte Prüfprozesse stießen auf großes Interesse, da sie eine effiziente, transparente und rechtssichere Umsetzung von Bauvorhaben ermöglichen. Expertinnen Interviews in Hamburg und Berlin bestätigten zudem die praktischen und strategischen Vorteile solcher digitalen Methoden. Die Erfahrungen unterstreichen, dass regel- und modellbasierte Ansätze einen entscheidenden Beitrag zur Modernisierung und Harmonisierung digitaler Bauantragsprozesse in der EU leisten können.

Ausblick des Projekts für LGV

Die Ergebnisse des ACCORD-Projekts stärken mehrere interne Initiativen des LGV. Dazu gehören die Spezifikation und Extraktion von Bauantragsinformationen aus BIM-Modellen, die Verbesserung der Qualitätssicherung von IFC-Dateien sowie die Weiterentwicklung von Prozessen für die Transformation planungsrechtlicher Daten in nationale und europäische Datenmodelle (XPlanung und INSPIRE PLU). 

Die im ACCORD-Projekt entwickelten Konzepte, Methoden und Prototypen liefern wertvolle fachliche und technologische Impulse für die Weiterentwicklung des digitalen Bauantragsverfahren in Hamburg sowie für zukünftige bundesweite und europäische Entwicklungen im Bereich der digitalen Genehmigungsverfahren.

Quellen
Hradil, P., Kiviniemi, M., Lavikka, R., Anton, S., Breitenfelder, K., Horn, R., Costa G.,Cheung, F., Beach, T., Krause, K.-U., Lasch, H., Askar, C., Schneider, K., Keberle, N., Chadzynski, A. ACCORD Project Documentation (2025) Deliverable D5.1 of ACCORD Project, letzter Zugriff am 28.11.2025: ACCORD_D5.1_Best_Practices_of_Modern_Digital_Building_Permitting_Processes_in_Europe.pdf