CircleBIM – BIM als Enabler für zirkuläres Bauen
Die Bauwirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss ihre Umweltauswirkungen reduzieren und gleichzeitig bestehende bauliche Ressourcen besser nutzen. Obwohl Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zunehmend in politischen Zielsetzungen verankert sind, bleibt ihre Umsetzung in Planung und Baupraxis komplex. Informationen über bestehende Gebäude sind häufig unvollständig, über verschiedene Akteure verteilt oder nicht in einer Form verfügbar, die fundierte Entscheidungen unterstützt. Dadurch bleiben Potenziale für Wiederverwendung, Umnutzung und langfristigen Werterhalt oft ungenutzt.
Das Interreg-North-Sea-Projekt CircleBIM (2024–2028) setzt genau hier an und untersucht, wie Building Information Management (BIM) zirkuläre Prozesse in Planung, Vergabe, Bau, Betrieb und Rückbau unterstützen kann. Mit Partnern aus sieben Ländern der Nordseeregion verfolgt das Projekt das Ziel, BIM als digitalen Backbone für zirkuläres Bauen zu etablieren, indem Informationsmanagement, Zusammenarbeit zwischen Akteuren und Materialtransparenz über den gesamten Lebenszyklus verbessert werden.
An der HafenCity Universität Hamburg (HCU) liegt der Fokus des Projekts auf dem ehemaligen Karstadt-Kaufhaus in Hamburg-Harburg. Das Gebäude, das über Jahrzehnte eine wichtige Rolle im sozialen und kommerziellen Leben des Stadtteils gespielt hat, befindet sich derzeit in einer Transformationsphase. Während für die kommenden Jahre verschiedene Zwischennutzungen vorgesehen sind, reichen die Diskussionen zur langfristigen Entwicklung von kulturellen über bildungsbezogene bis hin zu Wohn- und gemeinschaftsorientierten Nutzungen. Die HCU untersucht dabei, wie öffentliche Gebäudeeigentümer bestehende Bestände aus einer zirkulären Perspektive heraus managen können.
Das Karstadt-Gebäude dient als Pilotprojekt zur Erprobung BIM-gestützter Ansätze für zirkuläre Planung und Bestandsmanagement. Eine zentrale Herausforderung besteht in der begrenzten Verfügbarkeit und Qualität von Informationen zu Materialien, Bauteilen und Gebäudesystemen. Das Projekt geht dabei nicht von einem vollständigen digitalen Modell aus, sondern untersucht, wie Informationen schrittweise erfasst, strukturiert, validiert und angereichert werden können. Langfristig können solche Daten zu regionalen Materialpools beitragen, die die Wiederverwendung von Bauprodukten und Bauteilen in zukünftigen Bau- und Sanierungsprojekten ermöglichen.
Ein wichtiger Bestandteil des Hamburger Pilotprojekts ist die Einbindung lokaler Akteure. In Workshops und kollaborativen Formaten bringen Planende, Behörden, Forschende und zivilgesellschaftliche Akteure ihr Wissen und ihre Perspektiven ein und unterstützen so nachhaltige Transformationsprozesse.
Der Hamburger Pilot ist Teil eines breiteren europäischen Lernraums. Innerhalb der CircleBIM-Partnerschaft werden unterschiedliche Aspekte zirkulären Bauens und BIM-gestützter Prozesse in Pilotprojekten untersucht. In Belgien werden bezahlbare Wohnungsbauprojekte mit BIM-gestützten zirkulären Entwurfsstrategien erprobt. In Dänemark wird BIM für den Einsatz lokaler und wiederverwendeter Materialien in der öffentlichen Infrastrukturentwicklung genutzt. In Frankreich dient ein neues Universitätsgebäude als Reallabor für Materialpässe und Performance-Monitoring. Der niederländische Pilot untersucht BIM-gestützte zirkuläre Beschaffung und rückbaufähiges Design im sozialen Wohnungsbau. In Norwegen wird ein BIM-basiertes Informationsmanagement für ein Portfolio von Schulgebäuden entwickelt. In Schweden wird ein kommunaler Reuse-Hub aufgebaut, der digitale Materialinventare und Austauschsysteme für wiederverwendbare Bauteile testet.
Weitere Informationen zu den CircleBIM-Pilotprojekten.
Über die Pilotprojekte hinaus entwickelt CircleBIM eine Reihe praxisorientierter Ergebnisse zur Unterstützung öffentlicher Auftraggeber und Akteure der Bauwirtschaft bei der Umsetzung zirkulärer Ansätze. Dazu gehört das CircleBIM Framework, das einen lebenszyklusorientierten Strukturansatz zur Integration von Kreislaufwirtschaft und BIM in öffentliche Planungs- und Vergabeprozesse bietet. Das Framework versteht BIM als kontinuierlichen Informationsprozess, der Entscheidungen von der Projektentwicklung bis hin zum Betrieb und Rückbau unterstützt.
Zur Unterstützung der praktischen Umsetzung wurde zudem ein Good Practices Guide erarbeitet, der reale Beispiele sowie Forschungsansätze im Bereich zirkuläres Bauen und digitale Informationsprozesse analysiert. Der Leitfaden identifiziert übertragbare Erkenntnisse zu Materialdokumentation, Zusammenarbeit zwischen Akteuren, Lebenszyklusanalysen, adaptivem Entwerfen und BIM-gestützter Entscheidungsfindung. Ergänzend dazu übersetzt ein Implementation Template diese strategischen Grundlagen in konkrete Handlungsansätze und unterstützt Projektteams bei der Anwendung zirkulärer Entscheidungsprozesse über alle Projektphasen hinweg.
Weitere Informationen zu den CircleBIM-Outputs.
Diese Ergebnisse tragen dazu bei, die Lücke zwischen zirkulären Zielsetzungen und praktischer Umsetzung zu schließen und stellen anpassbare Werkzeuge für unterschiedliche Projekttypen, regulatorische Rahmenbedingungen und BIM-Reifegrade bereit. Auf diese Weise leistet CircleBIM einen Beitrag zur fortlaufenden Transformation der Bauwirtschaft hin zu stärker zirkulären, datengetriebenen und kollaborativen Arbeitsweisen.
Weitere Informationen zum CircleBIM-Projekt.
By providing a CircleBIM framework through integrated BIM processes and dynamic innovation platforms, the project empowers public authorities and stakeholders across the public planning and construction value chain to collaborate more effectively and adopt circular practices, advancing the construction sector toward greater circularity.