Quelle: HPA
Folgeworkshop zum Digitalen Zwilling im Erhaltungsmanagement
Nach dem erfolgreichen Auftakt am 15. Mai 2025, bei dem Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Ländern und Praxis die Potenziale des Digitalen Zwillings für das Erhaltungsmanagement von Straßen und Brücken diskutierten, fand am 19. November 2025 der Folgeworkshop statt. Im Mittelpunkt standen dieses Mal aktuelle Projekte und Arbeiten sowie konkrete Mehrwerte für den Einsatz des Digitalen Zwillings für das Erhaltungsmanagement.
BIM.Hamburg lud am 19. November 2025 zum zweiten fachlichen Austausch über den Einsatz Digitaler Zwillinge im Erhaltungsmanagement ein. Es kamen dieses Mal Vertreterinnen und Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), der Autobahn GmbH des Bundes, des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz, des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg, der Deges GmbH, der MKP GmbH sowie von BIM.Hamburg und der HPA zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und praxisnahe Mehrwerte für den Einsatz des Digitalen Zwillings im Erhaltungsmanagement zu identifizieren.
Der Workshop
Der Digitale Zwilling in der Bauwerkserhaltung hat das Ziel, die verschiedenen Zustandsinformationen zu einem Bauwerk zu sammeln, zu analysieren und zu aggregieren. Unter anderem fließen die Ergebnisse von Bauwerksprüfungen, Monitoring und Diagnostik in den Digitalen Zwilling ein und werden am Bauwerks-Modell verortet.
Die gesammelten Zustandsinformationen können auf diese Weise dem Erhaltungspersonal zur Verfügung gestellt werden, so dass eine Erhaltungsstrategie definiert und effiziente Erhaltungsmaßnahmen abgeleitet werden können. Der Digitale Zwilling soll in Zukunft die Basis für die Erhaltungsplanung darstellen.
Teil 1: Übersicht über aktuelle Projekte und Arbeiten der einzelnen Organisationen
In der ersten Hälfte des Tages standen verschiedene Impulsvorträge auf dem Programm, die den fachlichen Austausch anregten. Hier haben die Teilnehmenden des Workshops ihre aktuellen Projekte und Arbeiten zum Digitalen Zwilling in der Erhaltung vorgestellt:
Zu Beginn der Veranstaltung gab Ralph Sieber eine Einordnung aus der Sicht des Bundesministeriums für Verkehr und stellte dessen Rolle im Kontext des Digitalen Zwillings im Erhaltungsmanagement vor. Danach gab Dr. Hubert Naraniecki von MKP einen Überblick über relevante Normen und Standards aus der Standardisierungstätigkeit. Dabei wurden unter anderem der „Masterplan BIM Bundesfernstraßen“ des BMVI sowie die Publikation „Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen – Definition und Konzeption“ der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums hervorgehoben.
Darauffolgend berichtete Stefan Herlé von der Autobahn GmbH über die semiautomatische Brückenmodellierung als Grundlage für das Brückenmonitoring und die Brückenprüfung. Hier entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Sämtliche Workshopteilnehmende sind der Ansicht, dass es äußerst wichtig sei, die Erstellung von Bestandsmodellen zu verschlanken, um Skalierbarkeit erreichen zu können. Hier stellten sich zwei Ansätze heraus:
- Erstellung von Bestandsmodellen durch Nutzung von Punktwolken und Bestandspläne durch KI oder (Semi-)Automatisierung.
- Teilautomatisierte Erstellung von Bestandsmodellen mit Tools, die geometrische und semantische Daten aus vorhandenen Datenbanken nutzen, z.B. Brückengeometrien aus SIB-Bauwerke
Anschließend stellte Dr. Frederik Wedel von MKP bauwerksdiagnostische Untersuchungen und die Installation von Sensoren beim Digitalen Zwilling der Nibelungenbrücke in Rheinland-Pfalz vor. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), vertreten durch Carl Richter, Jennifer Bednorz und Adrian Fazekas, präsentierten ebenfalls ihre aktuellen Aktivitäten rund um den Digitalen Zwilling. Alexander Bräunlich von der DEGES gab einen Einblick in den aktuellen Stand und skizzierte die Perspektive des Strategiepapiers „Digitaler Zwilling Bundesfernstraßen“. Zum Abschluss berichtete Kay Degenhardt über die Aktivitäten des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg (LS.Brandenburg) im Bereich Erhaltungsmanagement und deren Bezug zum Digitalen Zwilling.
Niklas Schwarz von BIM.Hamburg und Dr. Hubert Naraniecki von MKP präsentierten den aktuellen Projektstand zum „Digitalen Zwilling Haupthafenroute“. Das Projekt ist ein Kooperationsprojekt zwischen Bundesverkehrsministerium und BIM.Hamburg und wird federführend von der HPA umgesetzt. Ziel ist die Entwicklung digitaler Methoden zur Optimierung des Erhaltungsmanagements von Straßen und Brücken. Exemplarisch werden dazu digitale Zwillinge von Brücken und einem Straßenabschnitt entlang der Hamburger Haupthafenroute erstellt und in einem übergeordneten Systemzwilling zusammengeführt.
Die Entwicklung der Softwarelösung für die Digitalen Zwillinge ist Kern des Projekts. Diese soll in Zukunft mit geringem Initialaufwand bauwerkstypenübergreifend Digitale Zwillinge erstellen und betreiben. Die MKP GmbH konzipiert und entwickelt diese Lösung, die bis Ende 2026 fertiggestellt sein soll. Die Entwicklung ist bereits gestartet und einige Module sind fertiggestellt. In Vorbereitung dessen wurden alle notwendigen Vermessungen durchgeführt und BIM-Bestandsmodelle gemäß Objektkatalog erstellt. Die Meilensteine der digitalen Bauwerksprüfung sind erreicht: Mindestens eine Brücke sollte modellbasiert (Level 2) geprüft werden, um die Potenziale der Methode zu evaluieren, während weitere Brücken digital über eine App auf PDF-Plänen dokumentiert werden (Level 1). Dieses Ziel wurde übertroffen: Die Veddelkanalbrücke wurde vollständig und zusätzlich Teilbauwerke der Freihafenelbbrücke und der Neuen Bahnbrücke Kattwyk modellbasiert geprüft, um Erfahrungen zu sammeln und das Softwaremodul weiterzuentwickeln.
Um das Projekt insgesamt erlebbar zu machen, wurde kürzlich die digitale Erlebniswelt veröffentlicht. Auf der Projektwebsite erhalten Interessierte fortlaufende Einblicke in die aktuellen Fortschritte.
Teil 2: Interaktiver Austausch und Arbeitsergebnisse des Workshops
Am Nachmittag widmeten sich die Teilnehmenden interaktiv den zentralen Fragestellungen:
- „Wo und wie lassen sich durch BIM im Betrieb und den Einsatz Digitaler Zwillinge schnelle Mehrwerte für die Betreiber erzielen?“
- „Welche Rahmenbedingungen brauchen wir, um den Digitalen Zwilling und seine Mehrwerte umzusetzen?“.
Die Diskussionen machten deutlich, dass ein großer Bedarf an kontinuierlichem Austausch besteht und alle Beteiligten ein einheitliches Verständnis teilen. Zudem sind die Mehrwerte des Digitalen Zwillings klar erkannt und eindeutige Rahmenbedingungen für die Umsetzung identifiziert worden.
Der Workshop war geprägt von konstruktivem Austausch, praxisnahen Impulsen und dem gemeinsamen Ziel, die digitale Erhaltung von Infrastruktur weiter voranzubringen. Das Treffen zeigte eindrucksvoll, dass der Digitale Zwilling längst nicht mehr nur ein Zukunftsversprechen ist, sondern sich Schritt für Schritt zu einem praxisnahen Werkzeug im Erhaltungsmanagement entwickelt. Der erfolgreiche Folgeworkshop hat nicht nur einen fachlichen Austausch gefördert, sondern auch die strategische Zusammenarbeit. BIM.Hamburg wird in Zukunft halbjährlich in derselben Runde zu Folgeworkshops einladen und weiterhin die Moderation übernehmen.
BIM.Hamburg bedankt sich bei allen Beteiligten und freut sich auf weitere Workshops in dieser vielversprechenden Konstellation – mit gebündeltem Know-how und gemeinsamer Vision für die digitale Zukunft des Erhaltungsmanagements.